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jemanden im Umkreis Meschede, welche(r) Spaß an Tierschutzarbeit in Sachen IGELN hätte.

Es geht darum junge oder zu schwache Tiere zu betreuen und aufzupäppeln, etwas größere

in Aussengehegen zu pflegen, versorgen und säubern oder – natürlich erstmal unter Anleitung - junge mutterlose Igelbabys großzuziehen. Auch Fahrten zu unserem Tierarzt würden evtl. mal anstehen bei kranken oder verletzten Tieren oder eben auch nur zur Entwurmung und Untersuchung. Die Tierarzt- und Futterkosten werden vom Tierschutzverein übernommen, die eigentliche „Arbeit“ wäre aber ehrenamtlich. Die gesunden, ausgewachsenen Tiere werden dann wieder in die Freiheit entlassen, da Igel ja unter Naturschutz stehen und KEINE Haustiere sind.

Wer die (viele) Arbeit nicht scheut und Spass an den kleinen Stacheltieren hätte, möge sich bitte bei unserer jetzigen Igel-Fachfrau Frau Krönke melden, welche natürlich gerne mit Rat und Tat beiseite stehen würde. Tel. 0291 8898 – ruhig mal ganz unverbindlich anrufen, Frau Krönke freut sich J

 

Mit freundlicher Genehmigung durch die Presseabteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V.
53115 Bonn, Baumschulallee 15, Tel.: 0228 / 631005

Informationsbroschüre Info A1 - November 1993: Igelschutz - Aber wie?


Igelschutz - Aber wie?



Igelschutz - Aber wie?


     Igel gehören erdgeschichtlich mit zu den ältesten Säugetieren. Sie bewohnten die Erde schon vor etwa 60 Millionen Jahren, lange vor dem heute schon wieder ausgestorbenen Mammut. Heute trifft man in Mitteleuropa überwiegend Braunbrustigel an, zu denen auch der bei uns heimische Westeuropäische Igel gehört.

Lebensweise des Igels

     Igel leben heute hauptsächlich im durchgrünten Siedlungsrandbereich. Sie fühlen sich da wohl, wo Nistgelegenheiten und Nahrungsangebot Ideinräumig ineinander übergehen. Als Einzelgänger gehen sie sich aus dem Weg. Kämpfe zwischen den Artgenossen werden in der freien Natur selten beobachtet. Tagsüber verstecken sie sich in einem Reisighaufen, einer Böschung oder einer dichten Hecke. Dieses Versteck verlassen sie nur, um zwischen Dämmerungsbeginn und Morgengrauen auf Nahrungssuche zu gehen.

     Igel sind ausgesprochen ortstreu. In Abhängigkeit vom Nahrungsangebot kann ein Igelrevier zwischen 1000 qm und 40 ha groß sein. Männchen können allerdings auf der Suche nach einem Weibchen auch größere Strecken - einige Kilometer pro Nacht - zurücklegen.

     Ihre Nahrung finden Igel mit ihrem hervorragenden Geruchssinn. Auf dem Speisezettel der nachtaktiven Insektenfresser stehen Käfer und ihre Larven, Nachtschmetterlings- und Schnakenlarven, Spinnen, Schnecken, Regenwürmer sowie Hundert- und Tausendfüßler, seltener Asseln und nestjunge Mäuse. Gelegentlich verschmähen sie auch Aas nicht oder aufgebrochene Nüsse und süßes Fallobst.

     Erwachsene Igel haben eine Körperlänge von 24-28 Zentimetern und wiegen zwischen 800 und 1500 Gramm. Die Männchen sind im allgemeinen schwerer als die Weibchen. Theoretisch könnten Igel ein Alter von 7-8 Jahren erreichen. Ihre tatsächliche Lebenserwartung wird aber aufgrund der zahlreichen Gefährdungen, denen sie in unserer modernen Kulturlandschaft ausgesetzt sind, auf lediglich 2-4 Jahre geschätzt.

     Die Paarungszeit hegt je nach Witterung und Klima zwischen April und Ende August. Nach einer Tragezeit von 5 Wochen kommen meist nur einmal im Jahr 2-10, im Durchschnitt 4-7, blinde und taube Junge zur Welt, die etwa 6 Wochen gesäugt werden. Im Alter von 3-4 Wochen verlassen die Jungen erstmals das Nest und beginnen auch feste Nahrung zu fressen.

     Die stachelbewehrten Tiere haben nur wenige natürliche Freßfeinde. Uhu, Fuchs, Marder, Dachs und Hund bringen es zuweilen fertig, erwachsene eingerollte Igel zu öffnen und zu töten. Für das Überleben der Art spielen diese Verluste eine untergeordnete Rolle. Der größte Feind der Igel ist der Mensch durch seine vielfältigen Eingriffe in die Natur.

     Zur Überbrückung der nahrungsarmen Monate machen Igel einen Winterschlaf. Dazu fressen sie sich bis zum Herbst ein Fettpolster als Energiespeicher an und ziehen sich in einen geschützten Unterschlupf zurück. Dank der auf ein Minimum herabgesetzten Körperfunktionen können sie auf diese Weise bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen. So atmen sie jetzt lediglich noch 3-4 mal anstatt 40-50 mal pro Minute. Die Körpertemperatur sinkt von etwa 36 Grad auf 5 Grad ab. Wenn sie im Frühjahr wieder aufwachen, haben sie etwa 20-30 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichtes verloren.


Igelaufnahme - ja oder nein?

     Jahrelang war man sehr schnell bereit, Igel, die nicht rechtzeitig in den Winterschlaf fielen, in menschliche Obhut zu nehmen, um sie aus vermeintlicher Todesgefahr zu retten. Heute weiß man: Nicht jeder Igel braucht im Herbst unsere Hilfe - aber jede Hilfe muß richtig sein.

     Steht man vor der Entscheidung, ob ein Igel aufgenommen werden muß oder nicht, ist zuerst die Frage zu beantworten, ob der Igel krank, verletzt oder stark untergewichtig und damit hilfsbedürftig ist. Ist die Frage anhand der auf der nächsten Seite ausgeführten "Voraussetzungen für die Aufnahme eines Igels" mit Ja beantwortet, muß geklärt werden, wie der Igel sachkundig gepflegt werden kann. Nur sachkundig richtig betreute Igel haben eine echte Chance, die Überwinterung in häuslicher Umgebung unbeschadet zu überstehen.

     Denn grundsätzlich gehören Wildtiere in die Natur und nicht in Menschenhand. Für einen gesunden Igel ist es immer besser, im Freien statt in Gefangenschaft zu überwintern. Darum dürfen auf keinen Fall, Igel, die ihr Überwinterungsgewicht erreicht haben oder noch erreichen können, mitgenommen werden. Manche Igel-Fachleute vertreten den Standpunkt, daß selbst ein leicht untergewichtiger Igel bessere Überlebenschancen hat, wenn er draußen in der Natur gelassen wird. Denn ein nach der Überwinterungszeit wieder ausgesetztes Tier muß sich erst wieder an die natürlichen Lebensumstände gewöhnen, was oftmals Schwierigkeiten bereitet.

     Leicht untergewichtigen oder jungen Igeln hilft man im Herbst - aber auch im Frühjahr - zunächst durch das Einrichten einer Futterstelle im Garten. Damit erübrigt es sich oft, untergewichtige Igel in menschliche Betreuung nehmen zu müssen. Für die Fütterung eignen sich: Hundefeuchtnahrung, mit Igeltrockenfutter vermischtes, ungewürztes Rührei oder Katzendosenahrung, Erdnußbruch und ungeschwefelte Rosinen. Um das Futter vor ungebetenen Gästen wie Katzen oder Vögeln, aber auch vor Regen zu schützen, wird es abends in eine mit zwei 10 x 10 Zentimeter kleinen Entschlupflöchern versehene Kiste gestellt. Eventuelle Futterreste müssen morgens unbedingt beseitigt und die Schüsseln heiß gespült werden.

     Das Körpergewicht alleine ist kein Maßstab, um die Hilfsbedürftigkeit eines Igels zu beurteilen. Darüber hinaus müssen auch die geographische Lage seines Wohnortes, die jeweiligen Witterungsbedingungen und seine körperliche Konstitution berücksichtigt werden. Igel, die im November jedoch deutlich unter 500 Gramm wiegen, haben ohne Zufütterung kaum eine Aussicht, das nächste Frühjahr zu erleben.

     Es ist nicht immer ein Zeichen von Hilflosigkeit, wenn im Herbst oder nach heftigem Regen tagsüber Igel angetroffen werden. Selbst im November stöbern Jungigel oft noch nach Eßbarem, weil sie instinktiv "wissen", daß sie nur mit einem starken Fettpolster den Winter überleben.


Voraussetzungen für die Aufnahme eines Igels

     Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten - und dazu zählt der Igel - aus der Natur zu entnehmen. Nach Paragraph 20 g Naturschutzgesetz ist es allerdings zulässig, kranke oder verletzte Tiere vorübergehend aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Pflege- und hilfsbedürftig sind:


1. Verwaiste Igelsäuglinge

     Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden und noch geschlossene Augen und Ohren haben, sind meist mutterlos. Im Zweifelsfall sollte man Nest und Umgebung einige Stunden lang beobachten.


2. Verletzte Igel

     Oft deuten schon Fundort und -umstände (Straße, Bauarbeiten) auf mögliche Verletzungen hin. Tiere, die womöglich tagelang ohne Wasser und Futter in Gruben, Lichtschächten u.a. gefangen waren, brauchen ebenfalls unsere Hilfe.


3. Kranke Igel

     Kranke Igel erkennt man meist daran, daß sie tagsüber herumlaufen oder -liegen. Sie sind apathisch, rollen sich kaum ein und sind oft mager. Auf derart geschwächten Tieren sitzen in der warmen Jahreszeit oft Schmeißfliegen, die dort ihre Eier ablegen.

     Ausnahmen: Sind Igel durch Gartenarbeiten oder einen Hund aufgestöbert worden, wird sich ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf suchen.


4. Igel im Winter

     Igel, die nach Wintereinbruch, das heißt bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke herumlaufen, brauchen unsere Hilfe. Es sind entweder kranke und schwache Alttiere oder aber - was häufiger der Fall ist - Jungtiere, die sehr spät geboren wurden, vielleicht auch krank sind, und sich wegen des geringen Nahrungsangebotes im Herbst kein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

     Nur in diesen Ausnahmesituationen ist es erlaubt, einen Igel vorübergehend aufzunehmen. In diesem Fall sollte man sich unbedingt die Stelle merken, an der man den Igel aufgelesen hat, denn dort sollte er im darauffolgenden Jahr wieder ausgesetzt werden. In allen anderen Fällen sollte er in der freien Natur belassen werden.

     Wenn man einen Igel selbst in Obhut nimmt, muß man sich bei seiner Aufnahme bewußt sein, daß man damit die Verpflichtung eingeht, ihn 5-6 Monate lang täglich zu betreuen und zu füttern. Jungigel, die ca. 100 Gramm wiegen, müssen sogar alle zwei bis vier Stunden versorgt werden.


Erste Hilfe für den Igel

     Igel, die nach gewissenhafter Prüfung der Aufnahmevoraussetzungen aus der Natur in die menschliche Pflege genommen werden, müssen eine optimale Versorgung erhalten. Eine falsche Behandlung kommt einem Todesurteil gleich. Damit wäre die gute Absicht, das Tier zu retten, ins Gegenteil verkehrt. Es ist deshalb empfehlenswert, sich mit dem "stacheligen Gast" so bald wie möglich zum Tierarzt, zum nächstgelegenen Tierschutzverein oder einer autorisierten Igel-Station zu begeben, um sich dort entsprechend beraten zu lassen.

     Es empfiehlt sich, einen sogenannten "Pflegebericht" anzulegen. Man beginnt seinen Pflegebericht indem man Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genauen Fundort notiert. Der Igel muß jetzt auf Verletzungen und Parasiten untersucht werden. Für die Erstversorgung wird ein Ei zerquirlt, das man mit wenig Fett und ohne Gewürze in der Pfanne stocken läßt. Zum Trinken erhält der Igel ein Schüsselchen Wasser, niemals Milch. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel) lauwarmen, ungesüßten Fencheltee ein.


Igel aufgenommen - was nun?

     Hier nun beginnt die eigentliche Arbeit für denjenigen, der einen Igel aufgenommen hat. Täglich muß das Tier gefüttert, das Schlafhaus kontrolliert und gesäubert werden. Die umfangreich anfallenden Aufgaben können im folgenden nur angerissen werden. Wer Genaueres über Unterbringung, Ernährung, Krankheiten, Winterschlaf, Aussetzen und die Aufzucht von verwaisten Igelsäuglingen wissen will, kann eine entsprechende Informationsschrift beim Deutschen Tierschutzbund anfordern.


Kurzhinweise zur Igelpflege:

Ärztliche Versorgung und Krankheiten

     Wildlebende Igel sind beinahe ohne Ausnahme von verschiedenen Parasitenarten befallen. Daher müssen sie, bevor sie endgültig in ihre Unterkunft gesetzt werden, äußerlich von Zecken, Flöhen, Fliegeneiern und -maden und gelegentlich auch von Milben befreit werden.

     In Lunge und Darm des Igels parasitieren unter anderem Haar-, Saug- und Bandwürmer, die es vor einer Überwinterung im Haus medikamentös zu bekämpfen gilt. Bakterielle Entzündungen oder Verletzungen, wie zum Beispiel Verbrennungen, die durch das unbedachte Abflämmen einer Böschung oder eines Reisighaufens entstanden sind, müssen versorgt werden.

     Krankheitssymptome sind Futterverweigerung, Durchfall, Husten und Röcheln, Zittern, unsicherer Gang, seitliches Umfallen, Lähmungserscheinungen, massiver Stachelausfall, geschwollene Beine. Alle Behandlungen sollten unbedingt von einem Tierarzt vorgenommen werden. Es ist angebracht, zur Untersuchung eine Kotprobe des erkrankten Tieres mitzubringen.

     Igelbabys, die noch nicht 100 Gramm wiegen, müssen ständig warmgehalten werden. Als wärmende Unterlage eignet sich eine mit Tüchern umwickelte handwarme Wärmflasche (kein Heizkissen). Genauso ist auch mit unterkühlten erwachsenen Igeln zu verfahren.


Ernährung

Erwachsene Igel

     Die Nahrung eines heranwachsenden bzw. erwachsenen Igels muß Eiweiß, Vitamine, Ballaststoffe, Mineralstoffe, und Spurenelemente enthalten und abwechslungsreich sein.

     Eine fleischhaltige Kost entspricht am ehesten der natürlichen Ernährung des Igels. Als Nahrung eignen sich Katzen- und Hundedosennahrung, rohes Rinderhack sowie gekochtes Geflügelfleisch, jeweils mit Igeltrockenfutter vermischt. Kleingeschnittenes Rindfleisch und Rinderherz werden als besondere Leckerbissen gerne angenommen.

     Achten Sie unbedingt darauf, daß der Igel nicht zu sehr zunimmt. 700 bis 1.000 Gramm Körpergewicht sind ideal, dafür genügen l bis 2 Eßlöffel Futter täglich. Extrem übergewichtige Igel werden träge und haben, wenn sie wieder in die Freiheit entlassen werden, größere Überlebensprobleme als normalgewichtige.

     Bestimmte Nahrungsmittel sind für Igel ungeeignet, so z. B. gewürzte Speisen, Süßigkeiten, Milch (!) und Speisereste.

     Futter und Wasser müssen immer Zimmertemperatur haben. Direkt aus dem Kühlschrank gereichtes Futter ist schädlich. Die Nahrung sollte in flachen, standfesten Gefäßen, möglichst aus Ton oder Steingut, gegeben werden. Futterreste müssen jeden Tag entfernt und die Schüsseln sorgfältig ausgewaschen werden.


Igelbabys (unter 100 Gramm)

     Igelbabys müssen alle zwei bis vier Stunden und während der Nacht alle vier bis fünf Stunden gefüttert werden. Nach neueren Erkenntnissen ist jede Menschenbaby-Nahrung, auch Grießbrei, Reis- oder Haferschleim, sowie Zugaben von Honig oder Traubenzucker für Igelbabys untauglich. Kurzzeitig können Igelbabys mit einer Mischung aus gleichen Teilen ungesüßtem Fencheltee und Schlagsahne ernährt werden. Zur Aufzucht gut geeignete Präparate erhält man über den Tierarzt. Im Zweifelsfall sollte man zur Aufstellung eines genauen "Speiseplanes" immer Fachleute zu Rate ziehen, um den Tieren keinen Schaden zuzufügen.

     Schon zur Fütterung kleinster Igel verwendet man 2-ml-Einwegspritzen, auf deren Konus man eine kleines Stückchen Fahrradventilschlauch stülpt. Um die Verdauung sehr junger Igel anzuregen, muß man ihnen nach der Fütterung unbedingt leicht den Bauch massieren! Normalerweise besorgt dies die Igelmutter mit ihrer Zunge.


Unterbringung

     Das Igelgehege wird zunächst in einen gut belüftbaren Raum mit Lichteinfall, normaler Luftfeuchtigkeit und Zimmertemperatur gestellt. Igel sind sehr lärmempfindlich und schlafen tagsüber. Küche, Kinderzimmer, Werkstatt, Garage, die meisten Kellerräume und der Speicher eignen sich also zur Unterbringung nicht.

     Dem bewegungsfreudigen Tier muß jederzeit eine genügend große Auslaufmöglichkeit geboten werden. Ein Gehege von mindestens 2 Quadratmetern mit etwa 45-50 Zentimeter hohen Holzwänden, die auch der Igel als guter Kletterer nicht überwinden kann, ist dazu unbedingt erforderlich. Als Einzelgänger sind mehrere aufgenommene Igel stets getrennt unterzubringen.

     Als geeignetes Schlafhäuschen bietet sich eine Kartonschachtel an, die eine Größe von 30x30x30 cm mit einem Schlupfloch von 12x12 cm aufweisen sollte. Wichtig sind eine wärmeisolierte Unterlage und wärmedämmendes Nestmaterial wie zum Beispiel zerknülltes Zeitungspapier. Styropor, Plastik und Sägespäne verschluckt der Igel leicht, sie dürfen deshalb keine Verwendung finden.

     Das Schlafhaus und der Auslauf werden mit Zeitungspapier ausgelegt und sind, solange der Igel noch aktiv ist, täglich zu; reinigen, um einem erneuten Parasitenbefall vorzubeugen.


Überwinterung

     Erreicht ein aufgenommener Jungigel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (600-700 Gramm) erst kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, kann er nicht mehr ausgesetzt werden. Man muß ihm aber auch bei häuslicher Überwinterung Gelegenheit zum Winterschlaf geben.

     Für den Winterschlaf ist ein kalter Raum, dessen Temperatur nicht über 6 Grad Celsius liegen darf, erforderlich. Anderenfalls würde der Igel in einen kräftezehrenden "Dämmerschlaf fallen. Die Umgebungstemperatur kann der Außentemperatur entsprechen, wenn ein Schlafhäuschen mit wärmedämmendem Nestmaterial und doppelten Wänden zur Verfügung steht, das eine zu starke Auskühlung des Tieres verhindert.

     Während des Winterschlafs sollte als "Notration" stets frisches Trinkwasser, aber auch etwas Igeltrockenfutter oder Dosenhundenahrung, für den Fall zur Verfügung stehen, daß der Igel aufwacht und hungrig ist. Auch ein schlafender Igel muß täglich kontrolliert werden.


Beendigung des Winterschlafs und Aussetzen

     Nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf (meist Ende März bis Mitte April) darf der Igel nicht gleich ausgesetzt werden. Er hat stark an Gewicht verloren und seine Muskeln sind noch nicht wieder so "durchtrainiert", daß er sich auf längere Beutefanggänge begeben könnte. So ist es spätestens jetzt an der Zeit, dem Igel ein Freigehege zu bauen. Hier kann er sich einerseits mehr bewegen, andererseits außer dem Futter im Napf auch natürliche Nahrung finden. Vor allem für solche Igel, die als Säuglinge in menschliche Obhut genommen wurden, ist dieses Training im Freigehege unerläßlich.

     Das Gehege sollte mindestens 4 Quadratmeter groß sein. Es kann aus feinmaschigem, 70 Zentimeter hohem Drahtgeflecht bestehen, das oben etwas nach innen gebogen und unten 5-10 Zentimeter tief in den Boden eingegraben wird.

     Im Gehege wird der Igel so lange gefüttert, bis er mindestens soviel wiegt wie vor dem Winterschlaf. Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn im Frühjahr Sträucher und Hecken ergrünen, die Nahrungstiere des Igels wieder vorhanden sind und die Blumenkästen mit den Geranien ins Freie gebracht werden (etwa Ende April bis Mitte Mai).

     Der Aussetzungsort sollte wenn möglich der Ort sein, an dem man den Igel im Spätherbst gefunden hat. Muß ein neues Aussetzgelände gesucht werden, ist dabei zu beachten, daß der neue Lebensraum Deckung und Nahrung bietet. Von Vorteil ist ein Bach oder Teich in der Nähe, ferner ein Bauernhof oder verwilderter Garten mit einem alten Schuppen oder Obstbäumen. Dort läßt man den Igel bei Einbruch der Dämmerung an einer geschützten Stelle in einem Nest aus Laub oder Heu frei. Man sollte darauf achten, daß sich keine vielbefahrene Straße in unmittelbarer Nähe befindet. Ebensowenig eignen sich als Aussetzungsort steile Hänge, Nadel- und Laubhochwälder und Überschwemmungsgebiete.


Igelschutz

     Die zeitweise Aufnahme von verletzten oder stark untergewichtigen Igeln muß sowohl im Sinne des Arten- als auch des Tierschutzes auf Ausnahmen beschränkt bleiben. Zur Erhaltung dieser Tierart ist es effektiver, längerfristig wirkende Maßnahmen zu ergreifen. Die Gelegenheit dazu hat jeder, denn als Kulturfolger leben die meisten Igel in der Nähe des Menschen. Auf den intensiv genutzten agrarischen Flächen finden sie häufig keine Nahrung oder Deckung.

     Dem Straßenverkehr in Deutschland fallen, jährlich etwa 500.000 Igel zum Opfer. Nachts sollte man vor allem im Siedlungsbereich, in der Nähe von Laubwäldern mit Unterholz sowie von Gärten mit Hecken und Büschen besonders aufmerksam fahren und die Verkehrsvorschriften (Geschwindigkeit, Abstand) einhalten.

     Baugruben, Gräben, Kabelschächte sowie Kellerabgänge, Lichtschächte, ebenerdige Kellerfenster, Gartenteiche und Schwimmbecken sind Igelfallen. Sie sollten mit Zäunen (50 Zentimeter hoch, engmaschiger Draht oder Bretter), Erdböschungen, Ausstiegshilfen (schräggestellte Bretter mit Querleisten) oder Abdeckungen versehen werden. Ist das nicht möglich, sollten diese "Fallen" wenigstens täglich kontrolliert werden.

     Bei Rodungsarbeiten für Bauvorhaben und beim Mähen unter Hecken muß vorher sorgfaltig nachgeschaut werden, ob sich hier Igel versteckt haben. Das gleiche gilt für das Umsetzen von Kompost- oder Reisighaufen.

     Brauchtumsfeuer und das Verbrennen von Gartenabfällen bereiten vielen Igeln einen grausamen Tod, denn sie halten in den oft lange vor dem Abbrennen aufgeschichteten Haufen gerne ihren Tages- oder Winterschlaf. Brauchtumsfeuer müssen unmittelbar vor dem Abbrennen vorsichtig umgesetzt werden.

     Vogelnetze über Beerensträuchern und in Weinbergen müssen straff gespannt sein und einen Abstand von 40 Zentimetern zum Boden haben, damit sich Igel und auch Vögel nicht darin verfangen können.

     Grundsätzlich sollte im Garten auf die Benutzung von Löschkalk und Giften - zum Beispiel Schneckengift und Insektizide -verzichtet werden. Insekten sind die Hauptnahrungsquelle für Igel, aber auch für Vögel und andere Tiere. Schlagfallen und Giftköder zur Ratten- und Mäusebekämpfung sollten schon aus tierschützerischen Überlegungen nicht eingesetzt werden.

     Wer als Gartenbesitzer noch mehr für die Igel, letztlich für die Natur an sich, tun möchte, wird das jährlich anfallende Laub in den Anlagen und auf den Beeten lassen. Dieser natürliche "Mantel" dient vielen Insekten als Winterquartier.

     Ein igelgerechter Garten hat darüber hinaus Durchgänge zu anderen Gärten. Denn Igel durchstreifen große Gebiete auf ihrer Nahrungssuche. Als Umzäunung gut geeignet sind Hecken und Jägerzäune. Dichte Hecken und Gebüsche gehören ebenso zu den von Igeln bevorzugten Unterschlupfen wie Reisig- und Laubhaufen und Hohlräume zwischen Holzstapeln, Gartenhäuschen, Schuppen, Treppen, Steinhaufen und alten Baumwurzeln.

     Ein kleiner Gartenteich mit flach auslautendem Uferbereich rettet besonders in trockenen Sommern Igel vor dem Verdursten. Flache, standfeste Schalen, die täglich mit frischem Wasser aufgefüllt werden, erfüllen den selben Zweck.

     Wie so viele Wildtiere leidet auch der Igel unter Flurbereinigungsmaßnahmen und den "kultivierten" Gärten, die ihm nicht genügend Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Daher sind der Erhalt und die Wiederherstellung entsprechender Biotope zu fördern.


Rechtsgrundlagen

Auszug aus dem Bundesnaturschutzgesetz:

     § 20f Schutzvorschriften für besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten.
     (l) Es ist verboten,
     l. wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,...
          (2) Es ist ferner verboten, Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten
          l. in Besitz zu nehmen,...
          § 20g Ausnahmen ...
          (4) Abweichend von den Verboten des § 20f Abs. l Nr. l . sowie den Besitzverboten ist es ... zulässig, verletzte oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können.


Auszug aus dem Tierschutzgesetz:

     § 2 Artgemäße Tierhaltung
     (l) Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
     1. muß dem Tier angemessene Nahrung und Pflege sowie eine verhaltensgerechte Unterbringung gewähren,
     2. darf das artgemäße Bewegungsbedürfnis eines Tieres nicht dauernd und nicht so einschränken, daß dem Tier vermeidbare Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden.


Auszug aus der Tierheimordnung des
Deutschen Tierschutzbundes:


     V. Belegung des Tierheims:
     2. Wildtiere sollen in einem Tierheim grundsätzlich nur in Notfällen Aufnahme finden. Sie sollten, soweit dies mit dem Gesundheitszustand vereinbar ist, so schnell wie möglich wieder in Freiheit gesetzt oder, soweit es sich um nicht einheimische Tiere handelt, an eine geeignete Einrichtung abgegeben werden.
Wenn keine andere Lösung gefunden werden kann, müssen artgerechte Haltungsbedingungen für Wildtiere im Tierheim gewährleistet sein.


Weitere Literatur:

Claudia Bestajovski: Igel in Haus und Garten, 2. Aufl. 1991,
     Franckh-Kosmos, Stuttgart, DM 12,80

Otto Hahn: Der Igel, Herder Verlag, Freiburg 1986, DM 25,-

Pat Morris: Alles über Igel, Albert Müller Verlag, Stuttgart, 1984
     DM 24,-

Monika Neumeier, Hrsg. Gunter Steinbach: Wir tun was für die
     Igel, Franckh-Kosmos, Stuttgart, 1990, DM 19,80

Les Stocker: Das große Buch der Igel, Bastei-Lübbe, Bergisch-
     Gladbach, 1989, DM 9,80

Igel-Bulletin: halbjährlich erscheinende Zeitschrift für Igel-
     freunde, kostenloser Bezug über Pro Igel, Lindenhofweg 50,
     88131 Lindau/B.



Der Deutsche Tierschutzbund e.V. dient dem Schutz der gesamten Tierwelt. Er setzt sich für die Erhaltung der Natur und damit für den Artenschutz ein. Der Naturschutz ist vom Tierschutz nicht trennbar.

Neben vielen anderen verfolgt der Deutsche Tierschutzbund folgende Ziele und Aufgaben:

  1. Pflege und Förderung des Tier- und Naturschutzgedankens.
  2. Weiterentwicklung des deutschen Tier- und Naturschutzrechtes.
  3. Alle Tiere, Haustiere wie freilebende, vor Grausamkeit zu schützen.
  4. Haustieren eine gute Pflege und Unterkunft zu gewähren.
  5. Die tierquälerische Massentierhaltung der sogenannten Nutztiere zu verbieten (keine Legebatterien von Hennen in Käfigen, keine Kälbermast in Kistenverschlägen, keine Anbindehaltung von Schweinen).
  6. Abschaffung von Tierversuchen. Ersatz von Tierversuchen durch Forschung an schmerzunempfindlicher Materie.
  7. Qualvolle Tiertransporte zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu verhindern und den Transport von Schlachttieren auf den kürzesten Weg vom Herkunftsort zum Schlachthof zu beschränken.
  8. Schlachtung aller Tiere ausnahmslos unter ausreichender Betäubung.
  9. Keine Überforderung von Tieren bei Sport und Dressuren. Kein Mißbrauch von Tieren bei Schaustellungen.
  10. Kampf gegen Vogelmord und Artenvernichtung aller Art.
  11. Kampf auch gegen Tiermißhandlungen in anderen Ländern (Stierkampf, Robbenschlagen, Hahnenkämpfe, Hundeschlächterei).
  12. Ausreichende und bessere Tierschutzgesetze in allen Ländern.
  13. Erziehung in Schule, Elternhaus und Kirche zur Humanität allen Geschöpfen gegenüber.
  14. Verbreitung des Tierschutzgedankens in Wort, Schrift und Bild.



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